Arnoldschule Bochum  |  Gemeinsamer Unterricht

Gemeinsamer Unterricht - Konzept zur Inklusion

GU - Gemeinsamer Unterricht

Die dem gemeinsamen Unterricht zugrunde liegende Idee ist u. a. in der Erklärung von Salamanca vom Juni 1994 (UNESCO) zu finden, die die Notwendigkeit und Dringlichkeit anerkennt, 'Kinder mit besonderen Förderbedürfnissen (special needs) innerhalb des Regelschulwesens zu unterrichten.'
'Mit der Ratifizierung des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte der Menschen mit Behinderungen hat sich die Bundesrepublik Deutschland im Frühjahr 2009 als Vertragspartner unter anderem verpflichtet, ein integratives Bildungssystem auf allen Ebenen (§ 24 Bildung) zu gewährleisten (. . . an inclusive education system at all levels . .).
In diesem Zusammenhang plant die Landesregierung NRW ein grundsätzliches Wahlrecht der Eltern auf den Förderort für ein behindertes Kind - das heißt, Förderschule oder allgemeine Schule in zumutbarer Entfernung.'

'Zurzeit bilden das Schulgesetz und die Verordnung über die sonderpädagogische Förderung, den Hausunterricht und die Schule für Kranke die rechtlichen Grundlagen, wonach Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf auch in einer allgemeinen Schule mit sonderpädagogischer Unterstützung unterrichtet werden können.'
'Im gemeinsamen Unterricht lernen Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf zusammen mit Kindern und Jugendlichen ohne sonderpädagogischen Förderbedarf in einer allgemeinen Schule. Hierzu erhält die Lehrkraft der allgemeinen Schule Unterstützung durch eine Lehrkraft für Sonderpädagogik.'


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Unser Angebot

Wir sind eine Schule für alle Kinder. So heißt es im Profil unserer Schule. Vor dieser pädagogischen Zielsetzung und diesem Hintergrund öffnet sich unsere Schule gezielt auch Schülern und Schülerinnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die inklusiv unterrichtet werden.
Schülern und Schülerinnen, bei denen ein sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt worden ist, bieten wir die Möglichkeit, entsprechend ihrer jeweiligen Lernvoraussetzungen und -fähigkeiten zu lernen. Dieses Angebot besteht in der Regel für Schüler/innen mit dem Förderschwerpunkt Lernen, Sprache, emotionale und soziale Entwicklung und geistige Entwicklung, sofern dies die räumlichen und personellen Ressourcen gestatten.
Der Unterricht erfolgt zielgleich in Übereinstimmung mit den Bildungsplänen der Grundschule oder zieldifferent entsprechend des jeweils festgestellten Förderschwerpunktes.
Daneben bieten wir auch für Kinder ohne diagnostizierten sonderpädagogischen Förderbedarf präventive Hilfen in unterschiedlichen Lernsituationen an. An dieser Stelle greift der Aspekt der 'umfangreichen und differenzierten Bildungs- und Erziehungsarbeit'. Diese Ausgangsposition ermöglicht Kindern entsprechend ihrer individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten mit oder ohne diagnostiziertem sonderpädagogischem Förderbedarf eine inklusive Beschulung, die wohnortnah im Bereich der Bochumer Innenstadt angeboten wird.
Durch dieses erklärte Ziel bieten wir allen Schülern und Schülerinnen Lernangebote, die sie unter Berücksichtigung fördern und fordern. Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf finden einen Ort, der sie inmitten anderer Schüler/innen lernen lässt. Die Arnoldschule bietet einen Ort der Bildung für alle Kinder an und macht so Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in der Schule selbstverständlich und lebbar.


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Organisatorisches/Struktur


Die konzeptionelle Grundlage für den 'Gemeinsamen Unterricht' liegt darin, Schüler/innen durch Bildung und Erziehung in ihrer Gesamtentwicklung und in ihrer Persönlichkeit zu fördern, um die Basis für Schlüsselqualifikationen zu legen, die sie für ihre weitere (schulische) Zukunft benötigen.
In der gegenwärtig konzeptionellen Aufbauphase ist unser Angebot wie folgt organisiert:
 Doppelbesetzung in unterschiedlichen Formen
 Kleingruppenförderung
 Einzelförderung
Die erzieherischen und unterrichtsbedeutsamen Ausgangslagen der Schüler/innen sind eingebettet in die Möglichkeiten des schulpraktischen Alltags.


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Inhalte

In den Einzelförderungen werden grundsätzliche, handlungsbefähigende Inhalte erarbeitet, denen die Vermittlung eigenverantwortlichen Handelns und der Selbstständigkeit vorausgeht: Einrichtung des Arbeitsplatzes, angemessener Umgang mit Arbeitsmaterialien, Erfassen der Aufgabenstellungen sowie deren Bearbeitung mit oder ohne Hilfsmittel.
Darauf aufbauend werden innerhalb des Unterrichts in Kleingruppen Fähigkeiten des sozialen Miteinanders und kooperative Verhaltensweisen vermittelt, um das Sozialverhalten aufzubauen, zu fördern und auszubauen. Sowohl in der Einzelförderung als auch in den Kleingruppen werden die benannten Lernziele in Übereinstimmung mit den schulischen Lerninhalten der jeweiligen Klassenstufen vermittelt.
Die Erarbeitung sozialer und arbeitsorganisatorischer Regeln für jede Schülerin und jeden Schüler, ausgehend von der jeweiligen Lernausgangslage, nimmt einen großen Raum ein. Das Einhalten von Regeln stellt eine Voraussetzung für eine gelingende individuelle Lern- und Arbeitshaltung dar, es ermöglicht und stabilisiert das soziale Miteinander in kleinen wie auch in größeren Gruppen.
Im Klassenverband werden die zuvor genannten und in den Kleingruppen angebahnten Regeln angewendet, ausgebaut und gefestigt. Entsprechend der individuellen Fähigkeiten kommen vermittelte Schlüsselqualifikationen, Arbeitsorganisation, die Fähigkeit, alleine und in Gruppen arbeiten zu können, Verantwortungs- und Hilfsbereitschaft zum Einsatz und werden täglich angewendet. Unterrichtliche Inhalte bilden die Ausgangslage, damit sie die Schüler/innen in der Erprobung und Anwendung der Qualifikatioen tagtäglich üben können.
Das sogenannte 'Förderband' in den Klassen/Jahrgängen stellt einen weiteren organisatorischen Rahmen der, der Lernschwierigkeiten bei Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf aufgreift und zu kompensieren versucht. Zeitgleich wird präventiv mit solchen Kindern gearbeitet, bei denen sich bereits früh Lernschwierigkeiten abzeichnen, ohne dass diese durch ein Überprüfungsverfahren (AO-SF) festgeschrieben oder kenntlich gemacht worden sind.
Besonders in der Schuleingangsphase bieten die jeweiligen Förderbänder Kindern mit Lernverzögerungen in den Bereichen Wahrnehmung und Arbeitsorganisation einen Ort, um Fertigkeiten und Inhalte aufzubauen und zu fördern, die grundlegend für den Erwerb kommender Unterrichtsinhalte in den Fächern Mathematik und Deutsch sind. Auf spielnaher Ebene werden Elemente aus den Bereichen Wahrnehmung und Arbeitsorganisation, aber auch Ausdauer und Konzentration mit unterrichtsrelevanten Inhalten verknüpft, damit Versäumtes nachgeholt wird und Voraussetzungen für die Erarbeitung komplexer Lerninhalte geschaffen werden. Bildungsinhalte stellen pränumerische Vorstellungen, die Erarbeitung des Zahlenraumes, einfache Rechenoperationen und die Erkundung mathematischer Bezüge im Alltag dar. Im Bereich Deutsch werden Angebote zum Wortschatzaufbau und zur Aussprache angeboten, die den Aufbau der Lese- und Schreibfähigkeit sowie das Erfassen kurzer, einfacher Texte anstreben.


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Jeder Schüler ist anders und darin sind (sich) alle gleich!

Unsere Schule wird von Kindern mit und ohne Förderbedarf sowie von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund besucht. Infolgedessen bringen sie eine Vielfalt unterschiedlicher Möglichkeiten mit, voneinander zu lernen und miteinander zu arbeiten. Daraus ergeben sich für die Schüler/innen viele Möglichkeiten, respektvoll miteinander umzugehen und sich dem anderen gegenüber verantwortungsbewusst und hilfsbereit zu verhalten. Schüler/innen beeinflussen sich durch ihr 'So-sein', durch ihre Individualität und ihre respektvolle Akzeptanz anderen gegenüber und formen so das soziale Miteinander an unserer Schule.
Dem gemeinsamen Lernen liegt zugrunde, dass alle Schüler/innen sich so in ihrem positiven Sein entdecken und akzeptieren und ihr Gegenüber ebenso akzeptieren. So können die vielfältigen und bunten Unterschiede der Kinder bereichernd auf deren Sozialverhalten wirken.


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Der Förderplan

Eine Grundlage für die Förderung der Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf stellen die individuellen Förderpläne für die Kinder dar, die einmal im Schulhalbjahr erstellt werden.
Die jeweilige Klassenlehrerin und der Sonderpädagoge erstellen diese Pläne gemeinsam. Auf dieser Basis entstehen Jahresberichte, in denen die angestrebten Lernziele und die erreichten Lernfortschritte dokumentiert werden. Zugleich bieten sie Eltern und Lehrern eine hilfreiche Grundlage, Ziele wiederholt oder neu für die gemeinsamen erzieherischen und schulischen Aufgaben zu formulieren.
Daneben stellen die Förderpläne einen Ausgangspunkt dar, um festzustellen, ob weiterhin Förderbedarf beim Kind besteht, der Förderort weiterhin im Sinne des Kindes besteht oder ob ggf. der sonderpädagogische Förderbedarf aufzuheben ist.


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Perspektiven entwickeln

Nach Beendigung des Besuches der Klasse 4 gilt es, für den weiteren schulischen Werdegang der Schülerinnen und Schüler eine optimale Lösung zu finden. Grundschullehrer und Sonderpädagoge beraten Eltern über folgende Möglichkeiten: In der Sekundarstufe findet der Unterricht
 an einer allgemeinen Schule im Rahmen einer integrativen Lerngruppe statt.
 in einer Förderschule statt.
 als Regelschüler an einer allgemeinen Schule statt, sofern der sonderpädagogische Förderbedarf aufgehoben worden ist.


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Zusammenarbeit in Bildung und Erziehung

Als grundlegend für eine gelingende Bildung stellt sich die Zusammenarbeit dar:
Lehrerinnen, Sonderpädagogen und die Erziehungsberechtigten arbeiten gemeinsam daran, Erziehungsziele und Lernziele im Sinne des Kindes zu erreichen und bieten dem Kind Unterstützung an. Lehrer bieten Eltern Beratung beim häuslichen Lernen und Erziehen an, um dem Kind gegenüber aufzuzeigen, dass für eine gelingende Erziehung Schule und Elternhaus zusammenarbeiten.
Weiterhin bieten sie Hilfen bei der Suche nach außerschulischen Angeboten und beraten hinsichtlich anstehender Schullaufbahnentscheidungen. Auf die besondere Mitarbeit der Eltern bei der Beschulung im Rahmen des gemeinsamen Unterrichts wird hingewiesen.
Auch für alle an der Bildung und Erziehung beteiligten Berufsgruppen ergeben sich Felder der Zusammenarbeit: Grundschullehrer/innen, Sonderpädagogen, Betreuer und Sozialarbeiter/-pädagogen treffen Absprachen über Lernziele, -inhalte, lernfördernde Situationen und hemmende Faktoren, die es zu beseitigen gilt. Sie alle planen gemeinsam Angebote wie beispielsweise Elternsprechtage.
Um diesem Anspruch nach Kooperation entsprechen zu können, finden regelmäßig Austauschsituationen statt, teils unter Einbeziehung anderen Disziplinen oder/und außerschulischen Einrichtungen (Austausch mit Erzieherinnen der Kindertageseinrichtungen, weiterführende Schulen, Austausch in Arbeitskreisen (Gemeinsamer Unterricht - Arbeitskreis Inklusion)).



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