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Rückblick

Die Geschichte der Arnoldschule reicht bis weit ins 19. Jahrhundert zurück, wie in der "Geschichte des Griesenbruch", einer Schrift des Schulverwaltungsamtes, des Stadtarchivs Bochum und der Arnoldschule aus dem Jahre 1986 über die Schule im vorindustriellen Landstädtchen Bochum nachzulesen ist:

"Durch die bauliche Veränderung war nur 10 Quadratfuß gewonnen zur Erweiterung der Schulstube, die 250 von 400 schulfähigen Kinder fassen musste, welche täglich zur Schule kamen. Die wie eingepökelte Heringe in dem größeren Zimmer von 25 Fuß Länge und 15 Fuß Breite zusammengepferchten Kinder konnten nicht mal ihre Schreibtafeln handhaben; der Lehrer, der selbst keinen Raum für Tisch und Stuhl hatte, konnte zu den einzelnen nicht kommen; die Luft war, selbst bei Öffnung der Oberfenster, wie in einem Backofen; Atemnot folterte die schweißtriefenden Kinder, welche stundenlang täglich dort aushalten mussten. Mit dem Umbau war sogar ein Abort mit seinen mephistischen Dünsten in die große Schulstube geraten."

Aufgrund zunehmender Industrialisierung und dem stetigen Anwachsen der Einwohnerzahl begann man 1873 mit dem Bau einer Schule an der Adolfstraße in Rücksicht darauf, "daß die neue Schule in dem schon sehr bevölkerten Teile der Stadt, welcher bis jetzt von den vorhandenen Schulen am entferntesten war, zu liegen kommt, kann die Lage des in Aussicht genommenen Platzes als eine sehr günstige bezeichnet werden."

Springerplatz 1875 wurde die für damalige Verhältnisse moderne und technisch anspruchsvolle Schule in Betrieb genommen. In der damals erscheinenden Zeitung "Märkischer Sprecher" lobte man den Neubau: "Die neuere Ausstattung der Lehrsäle ist zweckentsprechend und nach den neuesten Erfahrungen hergestellt. Das Gebäude enthält 10 Lehrsäle, eine Schuldiener- und eine freundliche Lehrerwohnung und ist mit einer gut eingerichteten Centralheizung nach dem neuesten System versehen, die auch längere Zeit bei strenger Kälte zur Zufriedenheit in Tätigkeit gesetzt war. Ebenso ist für Ventilation aufs beste gesorgt. In nächster Zeit soll das ganze Gebäude durch eine Mauer mit Geländer eingeschlossen werden."

Die Eröffnung der Schule an der Adolfstraße wurde als wichtiges Ereignis gefeiert, um "Kinder zu tüchtigen Menschen, zu rechtschaffenden Christen heranzuziehen." Die Bevölkerungszahl stieg stetig, in den "dichtbewohntesten Arbeiterquartieren des Griesenbruchs wohnten in 6 Häusern 50 Familien mit 330 Köpfen." Die Schule an der Adolfstraße war mit etwa 80 Schülern pro Klasse stets überfüllt, doch schon damals war die Verwaltung bemüht, die Schulversäumnisse gering zu halten: "Wenn früher böswillige Eltern ihre größeren Kinder zu häuslichen Hilfeleistungen verwendeten oder gar bei anderen Leuten arbeiten ließen, weil dieselben auf diese Weise mehr verdienten, als die Schulversäumnisstrafe betrug oder wenn soglose Mütter ihre Kinder ohne Wissen des zur Arbeit gegangenen Vaters der Schule fernhielten, weil es ihnen leicht war, die geringe Strafe heimlich zu zahlen, so ist einem solchen Unfuge durch die jetzt hohen Strafen ein Riegel vorgeschoben." Über die Zeit des I. Weltkrieges ist über die Schule an der Adolfstraße wenig bekannt. Um der bedauerlichen Zeiterscheinung der Zuchtlosigkeit und Verwahrlosung, den schädlichen Einwirkungen der Schundliteratur sowie der zunehmenden Kriminalität Herr zu werden, wurde in der Schule eine Jugendlesehalle eingerichtet.

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Während der Weimarer Republik stand der Griesenbruch unter französischer Besatzung, die Schule war beschlagnahmt. Die Wirtschaftslage war schlecht, Notküchen wurden eingerichtet, Hilfsorganisationen versorgten die Bevölkerung. Schulkinder an der Adolfstraße konnten wegen der Beschlagnahmung nicht an der Schulspeisung teilnehmen. Die christliche Volksschule war als Regelschule festgeschrieben, weltliche Schule waren zulässig. Die Schule an der Adolfstraße wurde als evangelische Volksschule geführt und rückte nach dem Ende der Besatzungszeit erst wieder 1929 in den Blickpunkt des Interesses. Der Elternbeirat legte Beschwerde ein wegen der Verlegung von zwei Klassen in die benachbarte Schule an der Alleestraße. Sie befürchteten, dass "die schulischen Leistungen ihrer Kinder nachlassen und diese deshalb, wohl, da die Wirtschaftslage schon kritisch genug war, vermehrt Schwierigkeiten haben werden, eine Lehrstelle zu finden, und sie fügen hinzu: Wir bitten zu berücksichtigen, daß gerade in der Adolfschule nur meistenteils Arbeiterkinder vorhanden sind, denen es nicht möglich ist, ihre Kenntnisse durch Besuch von höheren Lehranstalten zu erweitern." Die konfessionellen Schulsysteme wurden unter dem Nationalsozialismus abgeschafft, Gemeinschaftsschulen entstanden. Die Volksschule an der Adolfstraße musste einer kaufmännischen Schule weichen. Im Mai 1943 wurde das Gebäude bei schweren Luftangriffen vollständig zerstört, ein Wiederaufbau war nicht möglich. Erst ab 1946 wurden die Kinder aus dem Griesenbruch wieder unterrichtet, dabei mussten sie lange Schulwege und wechselschichtigen Unterricht in Kauf nehmen.

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Nach der Neugestaltung des Griesenbruchs konnte die Schule an der Arnoldstraße 31 1957 als 19. Volksschule in Bochum nach Kriegsende feierlich übergeben werden. Die Stadt Bochum hatte einschließlich Grundstücks-, Erschließungs- und Inventarkosten 1.100.000,00 DM aufzubringen. Die Presse berichtete: "Der Neubau ist außen hell verklinkert. Eingangshalle und Treppenhaus sind mit Darstellungen aus Keramik-Mosaik, die der Bochumer Egon Becker schuf, ausgestattet. Für den Unterricht stehen außer 8 Stammklassen eine Sonderklasse für Fachunterricht und Schulfeiern, ein Werkraum, ein Raum für Nadelarbeitsunterricht, eine Lehrküche und eine Lehrwaschküche zur Verfügung. Sämtliche Räume sind hell, freundlich und farbenfroh eingerichtet. Außer den Unterrichtsräumen sind in dem neuen Schulgebäude, das dem Griesenbruch eine besondere architektonische Note verleiht, die erforderlichen Verwaltungsräume, Toilettenanlagen, eine Brauseanlage mit Umkleideräumen und eine Hausmeisterwohnung eingerichtet." 1957 wurden 337 Schüler von sieben Lehrern und Theresia Husemann als Rektorin unterrichtet.

Nach der Schulreform 1968/69, der Trennung der Volkschule in Haupt- und Grundschule, verblieb die katholische Grundschule im Gebäude an der Arnoldstraße, dass sie sich mit der evangelischen Grundschule teilte, ehe beide Schulsysteme 1969 zur Gemeinschaftsgrundschule zusammengelegt wurden. 1974 übernahm Rektor Stobbe, der Rektor Schmidt abgelöst hatte, symbolisch den Schlüssel der neu erstellten Sporthalle. Zwischen 1960 und 1972, als der heimische Arbeitskräftemarkt den Bedarf nicht mehr decken konnte, war ein stetiger Einwanderungsstrom ausländischer Arbeitnehmer zu verzeichnen, der sich in späteren Jahren für das schulische Leben im Griesenbruch von großer Bedeutung erweisen sollte. Die Schülerzahlen wuchsen rasch und bald wuchs die Grundschule Arnoldstraße 31 zu einer der größten Grundschule Bochums mit einem ständig wachsenden Anteil ausländischer Schüler.

Kollegium der Arnoldschule 1978 Unterrichtete man die ausländischen Schüler zunächst in nationalhomogenen Klassen und in Vorbereitungsklassen für Kinder ohne ausreichende deutsche Sprachkenntnisse, so entschied man sich 1983/84 für die Einschulung in Regelklassen. Der gemeinsame Schulbesuch deutscher und ausländischer Schüler ermögliche am ehesten, ausländische Schüler in das deutsche Bildungssystem einzuführen und gegenseitiges Verständnis zu wecken. Weil zur Persönlichkeitsentwicklung Muttersprache und nationale Kultur von besonderer Bedeutung seien, wurden in Ergänzung zum regulären Unterricht Muttersprache und Länderkunde angeboten. Die Gemeinschaftsgrundschule stellte sich unter der Leitung von Manfred Berger (1984 - 2007) diesen Anforderungen und machte sich zur Aufgabe, eine Antwort auf die Erfordernisse unterschiedlicher nationaler oder ethnischer Herkunft zu finden. Pädagogische Prinzipien wie Offenheit des Unterrichts, Lebensnähe, Selbstständigkeit, Spontaneität, Erfahrungslernen und Berücksichtigung individueller Besonderheiten, die als Möglichkeiten interkultureller Erziehung diskutiert und angewendet wurden, machten die Arnoldschule zu einem Ort, an dem die außerschulischen Erfahrungen und Erlebnisse der Kinder verarbeitet, vertieft und entfaltet werden konnten. Interkulturelle Erziehung verstand man als bewährte pädagogische Antwort auf die neue gesellschaftliche Situation.



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